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Risiko!? – Das Spiel mit der Angst!

“ …oh nein, für aktives Traden muss man Profi sein und das Risiko ist ja viel zu hoch! Um den größtmöglichen Profit zu erwirtschaften, muss man auch ein viel größeres Risiko auf sich nehmen. Als passiver Investor habe ich viel geringeres Risiko bei gleicher Rendite. Denn einen Mehrwert durch höhres Risiko in Form von höheren Rendite gibt es laut wisschenschaftlichen Untersuchungen nicht!….“

Diese Grundprinzipien werden, geschürt durch Finanzberater, Frugalisten und ETF Blogger, von der breiten Masse relativ gut akzeptiert. Mit dem Worten erhöhtes RISIKO wird dass alles entkräftende Argument gegen aktives Spekulieren in Zusammenhang mit Nobelpreisträgern und der Wissenschaft in den Raum geworfen.

Schauen wir uns aber Anhand des 1. Quartal 2019 mein Depot im Vergleich zum S&P500, Russel 2000 und MSCI World einmal unter dem Aspekt Risiko an und fragen uns,

ist die Angst berechtigt oder sind das alles nur Crashpropheten im Bullenkostüm?

Kein geringerer als William F. Sharpe

Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger, wird mit seinem erfundenen Sharpe Ratio gleich ein bisschen Licht in die dunkle Macht des Risiko eines aktiven Spekulanten bringen.

Quelle Wikifolio:

Der Sharpe-Quotient[1], auch das Sharpe-Maß oder das Sharpe-Verhältnis genannt (englisch Sharpe ratio), ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die für ein Finanzinstrument die Überrendite gegenüber dem risikofreien Zinssatz ins Verhältnis zur Volatilität – einem Maß für das Risiko – setzt. Namensgeber ist William F. Sharpe. Mit dem Sharpe-Quotienten kann die vergangene Wertentwicklung von Geldanlagen miteinander verglichen werden. Der Sharpe-Quotient bemisst sozusagen die Überrendite pro Einheit des übernommenen Risikos. Maß für das Risiko ist die Volatilität der Renditen, wobei in die Berechnung der Volatilität alle Renditen eingehen (also auch diejenigen Renditewerte, die unterhalb des risikofreien Zinses liegen).

Ich selbst tendiere dazu mein Risiko als Standardabweichung zu definieren, nur leider könnt ihr nicht wirklich wissen wie meine Standardabweichung tatsächlich ist. Selbst wer mit dem Begriff umgehen kann, wird wahrscheinlich das blanke entsetzen empfinden, wenn ich ihm jetzt sage meine Standard Abweichung liegt bei 2,07%. Im Vergleich dazu 0,85% beim S&P500 oder gar nur 0,79% bim MSCI World. Diese abstrakte Diskussion führt genauso wie die oben erwähnten akzeptierten Grundprinzipien eher zu einem irrationalen Verhalten durch unvollständige Informationen! Ähnlich einer Studie der American Medical Assoviation, die herausgefunden haben, dass kranke Menschen zum Teil lebensnotwendige Medikamente absetzen, wenn sie erfahren, das Anwälte nach Klienten suchen, welche vom Komplikationen berichten können, ohne zu wissen, ob es überhaupt jemals zu Komplikationen bei dem Medikament gekommen ist!

Risiko ist die große Schwester von Volatilität

Wer Risiko scheut, wie der Teufel das Weihwasser, der verbindet mit Volatilität ein Höllenfeuer auf einen Grund aus Lava… dabei brauchen alle Buy&Hold Investoren eine Aufwärtsvolatilität!

Drehen wir den Blickwinkel einmal um, wer hohe Volatilität vermeidet, wird Investments im starken Aufwärtstrend übersehen und somit auch die Chance auf eine erhöhte Rendite schlicht und einfach verspielen. Dem Value Investoren bleibt zum Glück zumindest diese Angst erspart und das Schreckgespenst „Volatilität“ zieht zumindest nicht in allen Köpfen der passiven Anlage ein. Gut so!

Der oben bereits angesprochene Nobelpreisträger W. Sharpe wollte nun also mit seinem nach ihm benannten „Sharpe Ratio“ das tatsächliche Risiko in einem Depot messen. Damit Anleger nun also verstehen wie hoch das Risiko tatsächlich ist wird in mathematischen Formeln das Risiko in Standardabweichungen verpackt.

Kurzum, wie viele Einheiten Ertrag erhalten wir bei wie vielen eingesetzten Einheiten Risiko!

Allgemein gilt, Ratio über 1 gelten als „gute Investition“ und sollten als Mindestanforderung in ein Investment gesehen werden.

Mein Depot hat ein Sharpe Ration 4,52! Zum Vergleich liegen die Sharpe Ratio des S&P500 bei 4,27 und der MSCI World (VT) sogar „nur“ bei 4,18!

damit wissenschaftlich fundiert und vom Nobelpreisträger errechnet ergibt sich folgendes Fazit für mein Depot:

Weniger Risiko bei höherem Ertrag!!!

Die Kritiker von Sharpe Ratio kommen jetzt natürlich sofort hervorgesprungen und sagen nicht ganz zu unrecht, so einfach ist das Ganze nun auch wieder nicht! Natürlich ist eine Aufwärtsvolatilität wünschenswert, ABER ein Investment welches in einem Aufwärtstrend stark zunimmt und in der Korrektur oder im Crash wenig verliert, könnte ein niedriges Sharpe Ratio haben und wäre dennoch ein super Investment. Bon, aber denn nehmen wir als Bewertungsgrundlage nicht das Sharp Ratio sondern das ebenfalls sehr beliebte

Calmar Ratio

Bei dieser Bewertung wird die Idee der Volatiltät als Standardabweichung verworfen! Annualisierter Rendite/maximum DrawDown, also das Risiko als maximum DrawDown in Prozent gesehen!

In meinem Depot lag dieser max Drawdown bei -5,41%. Der S&P500 hatte nur einen max. DD von -2,45% und der MSCI World als Flaggschiff im Ocean sogar nur -2,06%!

Na bitte! War doch klar das der aktive Spekulant, der Zocker im maximalen DrawDown die Hosen runter lassen muss und gegen die klassischen, wisschenschaftlichen Ergebnisse nichts zu bestellen hat!

Ist dem so? Nun ist dieser Zeitraum noch sehr kurzfristig und war von einer massiven Aufwärtsbewegung der Märkte geprägt, dennoch zeigt sich auch der größte DrawDown im Vergleich muss nicht zwingenden das größere Risiko bedeuten!

  • 87,38 Calmar Ratio erreichte mein Depot
  • 44,36 Calmar Ratio MSCI Word
  • 42,28 Calmar RatioR beim S&P500
  • 20,72 Calmar Ratio sogar nur beim Russel 2000

Obwohl der Russel2000 nach meinem Depot die beste Performance erzielt hat,ist das Calmar Ratio im Verhältnis eher schlecht.

Für mich und für viele Anlager, ob nun aktiv oder passiv sollte die Calmar Ratio die nützlichste Risikokennzahl, zur Bewertung eines gesamten Depot sein!

Ich hoffe, der Honk von der letzten Bank, konnte euch seine Sicht der Dinge etwas näher bringen! Nur weil jemand am lautesten Schreit, 12000 Aktien als Diversifikation betrachtet und die Wissenschaft zu SEINEN Gunsten auslegen möchte, muss er nicht zwingen Recht haben! Wer sich mit dem Mittel nicht zufreiden geben möchte und bereit ist für das Mehr auch mehr zu tun, der wird am Ende auch belohnt! Da bin ich mir ganz sicher!

Nachtrag

Rico fragt in den Kommentaren nicht ganz zu unrecht, wie es denn mit den Zahlen vor 2019 bestellt ist…. natürlich sind die lange nicht so berauschend und da ich da einige extrem schwerwiegende Fehler gemacht habe, wollte ich mir diese Zahlen vorerst ersparen 🙂 Da ich aber auf keinen Fall nur schön Wetter Auswertungen hier einstellen möchte und mein Broker eine Auswertung seit Eröffnung das Depot ohne viel Aufwand zur Verfügung stellt, veröffentliche ich der Vollständigkeit halber die Zahlen des Grauen …….

3 Gedanken zu „Risiko!? – Das Spiel mit der Angst!

  1. Hut ab für die Transparenz. Da bekommen die letzten 3 Monate natürlich einen ganz anderen Eindruck. Da du aber deine Augen nicht vor den gemachten Fehlern verschließt, bin ich mir auch sicher, dass du deinen Weg finden wirst. Wie gesagt, am Anfang muss jeder erstmal durch eigenen Schmerz lernen, bevor es plötzlich Erkenntnisse auf einen herab regnet! 😀

    1. Rico Du Fuchs 😉 da sieht das Ganze natürlich nicht so prall für mich aus. Ich muss die Auswertung aber erst einstellen, bzw ich kann vom System die Auswertung seit Beginn erstellen lassen. Dann mache ich einen kleinen Nachtrag am Ende des Bericht.

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